Bei Zimmer- und Wohnungsbränden entstehen Temperaturen um die 800 Grad; bei einer schlagartigen Zündung der heißen Rauchgase (Stichwort: Flashover) können kurzzeitig bis zu 1000 Grad Celsius erreicht werden. Der Feuerwehrmann muss in solch einem Fall noch die Möglichkeit haben, mit seiner Einsatzkleidung einer solch lebensbedrohlichen Gefahr zu entkommen.

Aus diesem Grund kommt der Einsatzbekleidung eine besondere Bedeutung zu. „Feuerwehrleute müssen optimal geschützt sein, wenn sie sich für andere in Gefahrensituationen begeben; von der Schutzausrüstung kann das Leben oder die Gesundheit der Feuerwehrangehörigen abhängen“, so Reutlingens Feuerwehrkommandant Harald Herrmann.

Aus diesem Grunde wurde in Reutlingen nach nunmehr 18 Jahren die vorhandene Schutzkleidung den heutigen Anforderungen angepasst. Zug um Zug sollen in den nächsten Jahren alle Abteilungen mit den neuen Schutzanzügen ausgestattet werden.

Im Juni 2007 wurden die ersten beiden Abteilungen mit dem neuen Schutzanzug ausgerüstet.

Die Abteilung Freiwillige Feuerwehr Oferdingen wurde im Juni 2009 mit der neuen Einsatzkleidung ausgestattet.

Seit 1988 leistete die bisherige Kleidung hervorragende Dienste, schützte die Feuerwehrmänner und Frauen vor Wind und Wetter, vor allem vor Gefahren an Brand- und sonstigen Schadensstellen, auch vor dem gefürchteten „flash-over“, der sogenannten Rauchgasdurchzündung.

Wie hochwertig die Qualität der Reutlinger Schutzkleidung aus 1988 war, konnte ein Reutlinger Feuerwehrmann im Dezember 2002 bei der Firma Gminder am Güterbahnhof am eigenen Leib erfahren, als er sich bei einem Brand plötzlich dieser schlagartigen Rauchgasdurchzündung ausgesetzt sah. Ohne diese Schutzkleidung hätte er den Einsatz wohl nicht überlebt.

Wie sieht der neue Schutzanzug aus?

Die neue Einsatzkleidung entspricht den neuesten Richtlinien und Normen für Schutz- und Warnkleidung. Die Einsatzjacken und -hosen bestehen aus einem mehrlagigen, hochtemperaturbeständigem, reißfestem Nomexgewebe und einer atmungsaktiven Goretex– Membran als Nässeschutz. Die Anzüge werden auf einer speziellen Prüfeinrichtung, dem „Thermo-Mann“ geprüft und ca. 10 sec. mit über 1000 Grad beflammt. Dabei darf das Gewebe nicht aufbrechen.

Weitere Merkmale sind:

Die Anzüge sind im traditionellen Feuerwehr – Blau gehalten und haben einen grauen Schultereinsatz; die Führungskräfte haben eine gelbe Schulterpartie.
Die Schutzjacke hat einen dreilagigen Aufbau und ist 87 cm lang.
Die Hose ist ebenfalls mehrlagig aufgebaut und wurde als Überhose ausgeführt.
Das Obermaterial besteht aus einer Meta-Aramid-Faser, darunter befindet sich eine Nässesperre aus Gore-Tex und einem Innenfutter, ebenfalls aus einer Aramid-Faser.
Die Schutzjacke hat einen ergonomischen Schnitt, Bewegungsfalten unter den Armen erhöhen die Bewegungsfreiheit.
Das Obermaterial besteht aus einer Meta-Aramid-Faser, darunter befindet sich eine Nässesperre aus Gore-Tex und einem Innenfutter, ebenfalls aus einer Aramid-Faser.
Schulter- Ellenbogen- und Knieverstärkungen bieten zusätzlichen Schutz Von gefährdeten Körperpartien
Die Jacke und Hose hat eine Gelb - Silber – Gelbe- Streifenkombination um die Sichtbarkeit der Feuerwehrangehörigen zu gewährleisten
Die im Einsatz tätigen Gruppen- , Zugführer, Abschnittsleiter und der Einsatzleiter tragen über dem Anzug eine Funktionsweste, für die Funktion, die sie wahrzunehmen haben. Diese Funktionswesten bestehen aus demselben Material wie die Schutzanzüge.

Worin liegt der Unterschied zum bisherigen Schutzanzug?

Der Unterschied zum alten Schutzanzug (270 g/m² Flächengewicht) liegt im Wesentlichen in den neuen Materialien, die bei geringerem Gewicht (180 g/m²) eine höhere Schutzwirkung bieten. Die physischen Belastungen für den Feuerwehrmann können dadurch erheblich reduziert werden. Ebenso wird eine bessere Ableitung der Körperwärme erreicht.

Die Schutzjacke ist zudem etwas kürzer und erhöht damit die Beweglichkeit des Feuerwehrangehörigen. Durch die Sicherheitsbestreifung in Gelb – Silber – gelb –Kombination kann künftig das Anlegen von Warnwesten im Verkehrsraum verzichtet werden.

Auswahl und Testphase

Nach der Sondierungsphase des europäischen Marktes bei der Internationalen Feuerwehrmesse „Interschutz - Der Rote Hahn“ in Hannover im Juni 2005 folgte ein mehrmonatiges, aufwändiges Auswahlverfahren, das von einem Arbeitskreis der Reutlinger Feuerwehr durchgeführt wurde. Mit verschiedenen Herstellern, die spezielle Feuerwehrschutzkleidung anbieten, wurden die Gespräche geführt, die Anforderungen, insbesondere der EN 469, die Vorgaben der Unfallversicherer, wie auch die vom von den Mannschaften gewünschten Anforderungen abgeprüft und in einem Pflichtenheft festgelegt.

Fünf in Frage kommende Anbieter wurden in eine beschränkte Ausschreibung für die neue Schutzkleidung einbezogen. Jede Firma hatte jeweils 10 Schutzanzüge für einen Praxistest und die Feststellung der Akzeptanz bei den Mannschaften zu fertigen.

Danach erfolgte eine 4-monatige Testphase. In dieser Testphase wurden die Anzüge im Ausbildungsbetrieb, in der mobilen Brandübungsanlage, im Tageseinsatzdienst und bei einer Vielzahl von Einsätzen getragen. Beteiligt waren an diesem Trageversuch über 30 Kräfte der Freiwilligen Abteilungen, der Berufsfeuerwehr und die Ausbilder, wobei nicht bekannt gegeben wurde, welcher Anzug von welcher Firma stammte.

Parallel zum Tragetest wurden mit den im Einsatz befindlichen Anzügen Wasch- und Pflegetests durchgeführt und ausgewertet.
In die endgültige Entscheidung flossen neben dem Preis auch die Ergebnisse des Trageversuches, die Ergebnisse aus den Wasch- und Pflegetests sowie die Empfehlungen der Fachkraft für Arbeitssicherheit der Stadt, des betriebsärztlichen Dienstes wie auch des Personalrates ein.
Für die Berufsfeuerwehr und die 400 Freiwilligen Feuerwehrangehörigen sollen in den nächsten 3-4 Jahren rund 500 Einsatzjacken und -hosen beschafft werden. Eine Schutzjacke kostet rund 440 €, die dazugehörige Überhose ca. 310 Euro. €.
Geliefert werden die Schutzanzüge von der Firma Consultiv AG, die Ihren Stammsitz in Wetzikon/Schweiz und eine Neiderlassung in Waldshut – Tiengen hat.
Im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit haben sich auch die Feuerwehren Eningen, Pfullingen und Pliezhausen – aufgrund der in Reutlingen gewonnenen Erkenntnisse – für die Beschaffung des Reutlinger Schutzkleidungsmodells entschieden.

 

 

 

Bericht : Feuerwehr Reutlingen

 

 

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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 17.02.2019 - 19:55 Uhr
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